Dienstag, 29. Oktober 2019

Das Outplacement durch die Augen dreier Generationen

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Wie hat sich das Outplacement mit der Zeit verändert und wie sehen die Verfahren von morgen aus? Mit diesen Fragen beschäftigten sich drei Generationen von Fachleuten der Interiman Group bei einer spannenden Konferenz im Rahmen des Salon RH Suisse in Genf. Wichtige Erkenntnisse: Online-Tools können wertvolle Verbündete sein, wenn sie optimal genutzt werden, und Einfühlungsvermögen und Wohlwollen bleiben weiterhin entscheidende Werte bei der Betreuung ausscheidender Mitarbeiter. Eine Reportage.

Der Andrang an diesem Tag auf dem Gelände des Palexpo in Genf ist groß. Als jährlicher Treffpunkt für Personalfachleute aus der französischsprachigen Schweiz erfreut sich der Salon RH Suisse äußerster Beliebtheit. Und auch das zweitägige begleitende Konferenzprogramm kann sich sehen lassen. So füllen sich im Forum 1 bereits die Sitze, während die Vorbereitungen auf der Bühne noch in vollem Gange sind. Die Redner des Tages? Stéphane Gigon, Direktor von Humanys Solutions, Edouard Comment, HR Senior Consultant Partner, und Nicolas Nervi, Marketingdirektor der Interiman Group. Alle drei repräsentieren jeweils eine andere Generation und sind zusammengekommen, um Einblicke in die Entwicklung des Outplacements im Laufe der Zeit zu geben. Doch wie der Nebentitel ihres Vortrags – « Berufliche Neuorientierung erfolgreich meistern » – zu verstehen gibt, geht es nicht nur um Historisches. Sie erinnern auch daran, dass das Outplacement vor allem darauf abzielt, freigestellte Mitarbeiter zu begleiten und zu unterstützen. Oft geht eine derartige Umstellung mit einem Einkommens-, Identitäts- und Vertrauensverlust einher, daher ist es besonders wichtig, dem Mitarbeiter aufmerksam und wohlwollend zuzuhören. « Wir alle haben das bereits selbst durchlebt und können dank dieser persönlichen Erfahrung nicht nur diejenigen, die sich in der beruflichen Neuorientierung befinden, besser verstehen, sondern ihnen auch helfen, wieder eine gewisse Selbstachtung zu erlangen » erklärt Stéphane Gigon im Vorfeld.

Ein Gefühl der Scham

Die Konferenz beginnt und besticht gleich zu Auftakt durch ihr Format. Für den Anlass hat sich Thomas Deburggraeve, Direktor von TACK TMI International (Switzerland), bereit erklärt, die Rolle des Zeremonienmeisters zu übernehmen. Mit seinen Fragen leitet er die Diskussion geschickt rund um vier Themenschwerpunkte (Infrastruktur, Psychologie, Hilfsmittel, Berufsbild) und vergibt dabei das Wort gleichmäßig an alle drei Redner, deren Vertrautheit miteinander offensichtlich ist. Auch wenn Edouard Comment die Vergangenheit, Stéphane Gigon die Gegenwart und Nicolas Nervi die Zukunft verkörpert, sind sich alle drei einig: Ihr wichtigstes Anliegen besteht darin, denjenigen, die mit dem Verlust eines Arbeitsplatzes konfrontiert sind, die richtigen Werkzeuge an die Hand zu geben, um sich eine neue Existenz aufzubauen.

Gleichwohl stellt sich die Frage, wie sich die Verfahren im Laufe der Jahre weiterentwickelt haben. Thomas Deburggraeve wendet sich an Edouard Comment, der die Veränderungen während seiner mehr als 40 Jahre Erfahrung als Ausbilder, Personalleiter und Direktor bei Unternehmen wie Migros Genève, Givaudan oder auch Union Bancaire Privée hautnah miterlebt hat. Wie sah das Outplacement in seinen Anfängen aus? « Ich bin das erste Mal in den 1990er Jahren auf das Konzept gestoßen, als es gerade in den USA populär wurde. Damals hatte es lediglich die Form eines Arbeitsraumes, der das Büro symbolisierte, das man verlassen musste. Die Hilfsmittel beschränkten sich auf einen grossen Aktenordner, in dem die Methodik dargelegt wurde. Aber es war nicht der Mangel an technischen Hilfsmitteln, der das größte Problem darstellte, sondern das Schamgefühl, das mit dem Verlust des Arbeitsplatzes einherging. Damals sprach man einfach nicht darüber und einige kamen sogar täglich in die Agentur und ließen die anderen glauben, sie würden ins Büro gehen », erklärt er. Amüsiert erwähnt er nebenbei sein erstes Handy, ein Natel C, das sage und schreibe sieben Kilogramm wog! Im Publikum zeigt sich das eine oder andere Lächeln: nostalgisch von den älteren Zuhörern, die diesen Koffer zweifellos selbst mitgeschleppt haben, amüsiert von der jüngeren Generation, für die das alles wie Science-fiction klingen muss.

Der Trend in Richtung Selbständigkeit

Wie sieht die Situation heute aus? Stéphane Gigon beginnt mit einer beruhigenden Feststellung: « Man ist natürlich nicht stolz darauf, seine Arbeit zu verlieren, aber das Gefühl der Scham hat deutlich nachgelassen. Dabei spielt die Outplacementberatung auch heute noch eine wichtige Rolle: Sie bietet ein Umfeld voller Empathie und Raum zum Nachdenken, rund um einen Kern, der schnell zu einer neuen Familie wird. Eine noch spürbarere Veränderung besteht darin, dass das Outplacement heute nicht nur für Führungskräfte, sondern auch für Arbeiter und Angestellte bereitgestellt wird. Nicht zu vergessen die zunehmende Bedeutung des Networkings: Heute finden 58 % der Arbeitssuchenden auf diesem Wege eine neue Stelle. »

Zu den Trends, die er als Generaldirektor von Humanys Solutions beobachtet, gehört auch eine zunehmende Tendenz in Richtung Selbständigkeit. « 2017 entschieden sich 6 % der von uns betreuten Personen für diesen Weg, um einen beruflichen Neuanfang zu machen. 2018 hat sich dieser Anteil verdoppelt », erklärt er, der seine Karriere in der Personalabteilung eines Unternehmens in der technischen Industrie begann und das Outplacement als Motivationshilfe sieht.

Plädoyer für Soft Skills

Wie sieht Nicolas Nervi die Verfahren von morgen? « Wir werden einen echten Paradigmenwechsel erleben. Das gilt sowohl für die Vorstellung von Stabilität, auf die früher viel Wert gelegt wurde, die heute aber zunehmend zugunsten von unternehmerischem Denken vernachlässigt wird, als auch für die Art und Weise, in der Kompetenzen bewertet werden. Zuvor tendierte man dazu, einfach seine Kenntnisse und Fähigkeiten aufzulisten, insbesondere in Form eines Lebenslaufs. Heute muss man diese unter Beweis stellen, indem man die gesamte Palette an verfügbaren Online-Tools nutzt », erklärt der Marketingdirektor der Interiman Group, der bereits über mehrere Jahre Erfahrung in vergleichbaren Rollen bei KMUs und internationalen Unternehmen verfügt.

Gegen Ende der Konferenz, kurz vor der Fragestunde, hält Nicolas Nervi noch ein Plädoyer für Soft Skills. Was meint er damit? Es geht darum, mit Hilfe der Berater von Humanys Solutions ein gewisses Geschick bei der Darstellung der eigenen Person zu entwickeln. Oder anders gesagt, dank Selbstmarketing seine Chancen zu erhöhen, eine neue Beschäftigung in seinem bevorzugten Bereich zu finden. « Es genügt schon, nützliche und interessante Inhalte zu teilen und sich dafür einzusetzen, dass die Botschaft auch ankommt. Wenn man diesen Ansatz einige Monate lang diszipliniert verfolgt, gelingt es einem ganz sicher, die Aufmerksamkeit von Schlüsselpersonen in seinem Bereich zu erwecken. Und es sind sie, die anschließend den Kontakt suchen werden », sagt er. Aus dem Publikum taucht eine Frage auf: « Spricht man seinen Kompetenzen damit nicht an Wert ab? » Nicolas Nervi antwortet: « Das Teilen relevanter Inhalte sagt enorm viel über die Einstellung einer Person aus. Es ist auch der beste Weg, sich über Lektüre neue Kompetenzen anzueignen und sich weiterzubilden. »